April 13

Ableismus 1×1

Wie einige von euch wissen, studiere ich Gebärdensprachen an einer Universität in Deutschland. Ein großer Teil davon sind auch die sogeannten Disability Studies, also Studien über Behinderte und ihr Leben in der Gesellschaft im Allgemeinen. Ich will nicht sagen, dass ich eine Expertin auf diesem Gebiet bin, aber ich weiß vielleicht ein paar Dinge mehr darüber als der Durchschnittsmensch. Und heute ist einer dieser Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass ich etwas von dem Wissen, das ich erworben habe, mit euch teilen sollte. Vielleicht habe ich auch einfach mal wieder ein Instagram Reel gesehen, das mich wütend gemacht hat…

Was genau versteht man unter dem Begriff “Behinderung”?

Um über dieses Thema zu sprechen, müssen wir zunächst einige der Wörter definieren. Ich verwende hierbei die Begriffe aus dem Englischen, da es die deutsche Übersetzung nochmal anders erklärt werden muss. Jemand gilt als “able”(zu Deutsch “fähig”), wenn der Körper, in den er hineingeboren wurde, den Kriterien dessen entspricht, was die Gesellschaft als “gesund” und “normal” ansieht, was bedeutet, dass er nur aufgrund seines Körpers von der Gesellschaft in keiner Weise behindert wird (lassen wir Rassismus und Sexismus für diese Erklärung einmal außer Acht). “Disabled”(zu Deutsch “unfähig”, wird aber in dem Kontext im Deutschen nicht benutzt) also behinderte Menschen hingegen werden mit oder ohne etwas geboren, was ihnen die Teilnahme an unserer Gesellschaft erschwert.

Stellen wir uns also jemanden vor, der mit beiden Beinen geboren wird, der laufen, Treppen steigen und unabhängig sein kann. Jemand, der ohne oder mit gebrochenen Beinen geboren wird, kann nicht laufen, keine Treppen steigen und ist oft nicht so unabhängig, nicht wegen seiner Behinderung, sondern weil die Gesellschaft Menschen wie ihn oft vergisst. Sie baut Gebäude ohne Rampen, ohne behindertengrechte Toiletten oder sogar ohne Türen, die groß genug sind, damit ein Rollstuhl hindurchpasst. Und wegen dieser Dinge sind behinderte Menschen oft nicht in der Lage, unabhängig zu sein.

In Deutschland lautet die passendere Übersetzung von “disabled” nicht “unfähig” sondern “behindert”, was wörtlich so viel bedeutet wie “daran gehindert werden, etwas zu tun“. In diesem Fall wäre ein Rollstuhlfahrerin aus einem oder mehreren der oben genannten Gründe daran gehindert, ein Gebäude zu betreten. Ihr Problem wäre in diesem Fall nicht ihr Rollstuhl, sondern die Tatsache, dass derjenige, der das Gebäude gebaut hat, nicht daran gedacht hat, wie eine Rollstuhlfahrerin es betreten könnte. Und das ist das allgemeine Problem, mit dem behinderte Menschen im Leben konfrontiert sind, egal welche Art von Behinderung sie haben.

Was ist Ableismus?

Im vorhergehenden Abschnitt, haben wir versucht Rassismus und Sexismus außen vor zu lassen, da die Konzepte bei der Erklärung der Begrifflichkeiten nur hinderlich gewesen wären. Dennoch denke ich, dass ihr deren Definition wohl alle bereits kennt. Behindertenfeindlichkeit auch Ableismus(inspiriert vom englischen Begriff ableism) ist sehr ähnlich, nur dass die Minderheitengruppe, die diskriminiert wird, in diesem Fall behinderte Menschen sind. Diese Diskriminierung kann sehr offensichtlich aussehen, indem zum Beispiel jemand wegen seines “seltsamen Starrens” gemobbt wird, weil die Person vielleicht völlig blind ist und somit nichts hat, worauf sich ihre Augen konzentrieren können. Sie kann aber auch weniger offensichtlich sein, denn manchmal wissen die Menschen gar nicht, dass sie sich ableistisch verhalten.

Ein gutes Beispiel für diese Art von Verhalten hat mich ursprünglich dazu veranlasst, diesen Beitrag zu schreiben, ein weiteres Video auf Instagram. Wie ihr sicher wisst, wurden bereits verschiedene Hilfsmittel entwickelt, die behinderten Menschen helfen sollen, unabhängiger zu leben. Der Rollstuhl ist eines der offensichtlichsten, aber es gibt noch viele andere. Eine Erfindung, die mir in den Sinn kommt, ist ein Teller, der einige Hohlräume und einen kleinen Stöpsel hat, zwischen dennen man das Essen plazieren kann. Er wurde entwickelt, um Menschen, die nur eine Hand oder einen Arm zur Verfügung haben, die Möglichkeit zu geben, ihr Essen ohne die Hilfe einer anderen Person zu schneiden.

Aber diese beiden Gadgets scheinen mir sehr offensichtlich und selbsterklärend zu sein, und es sieht so aus, als gäbe es noch andere, die wiederum die Leute verwirren. Kürzlich sah ich ein Video einer Köchin, die sich über ein Gerät lustig machte, das ich am besten als Eierknacker beschreiben kann, aber einer, das die Arbeit für einen erledigt. Man legt ein Ei in die richtige Position, ergreift den Griff und drückt ihn nach unten, woraufhin Die Eierschale geknackt wird und das rohe Ei in die Pfanne fällt, wo es gekocht werden kann. Die Köchin in dem Video hat den Eindruck erweckt, als sei das eine “unnötige Vorrichtung” und es wäre viel einfacher, ein Ei mit den Händen aufzuschlagen, “das braucht nur etwas Übung”. Das ist schlichtweg ableistisches Verhalten, denn nicht jeder hat die Geschicklichkeit oder die richtigen Körperteile, um ein Ei auf diese Weise aufschlagen zu können. Sich also über hilfreiche Erfindungen lustig zu machen, ist sehr diskriminierend, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass die Köchin aus dem Video gar nicht daran gedacht hat, welchen Zweck dieses Gerät eigentlich hat.

Gadgets, die behinderten Menschen nützen, können uns allen nützen

Diese indirekte Form von Behindertenfeindlichkeit ist oft auf einen Mangel an Bildung zurückzuführen, wie dies bei vielen anderen Dingen auch der Fall ist. Die Leute wissen oft einfach nicht, dass einige Geräte mit Blick auf behinderte Menschen erfunden wurden und denken deshalb oft gar nicht an diese Möglichkeit. Und nicht alle dieser Erfindungen kommen nur Behinderten zugute, viele von ihnen kommen eigentlich allen in der Gesellschaft zugute. Ich möchte euch nun einige Beispiele nennen.

Seitdem TikTok seinen Höhepunkt erreicht hat und Instagram im Grunde versucht, seine Funktionen zu kopieren, sind kurze videobasierte Inhalte heutzutage der letzte Schrei. POV, Untertitel, Sprache-zu-Text und Spracherkennung sind bereits Teil unseres täglichen Lebens, aber haben wir auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, wie viele dieser Funktionen eigentlich behinderten Menschen mehr helfen als uns? Untertitel wurden vielleicht nicht für Gehörlose entwickelt, aber sie helfen ihnen, sich mit solchen Medieninhalten zu beschäftigen, die ihnen sonst nicht zur Verfügung stünden. Sprache-zu-Text erleichtert blinden Menschen das Schreiben von Texten in digitaler Form, und Hörbücher gibt es im Grunde nur dank Blinden.

Bordsteinabsenkungen, die ich seit letztem Jahr als stolzer Besitzer eines neuen Rollers oft benutze, wurden entwickelt, um Rollstuhlfahrern das Überqueren der Straße zu erleichtern. Schreibmaschinen wurden ursprünglich entwickelt, um blinden Menschen das Schreiben von Briefen zu erleichtern, als das noch populär war 😉 Sogar elektrische Zahnbürsten wurden entwickelt, um dennen mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten zu helfen, und diese Liste könnte noch eine ganze Weile weitergehen, aber ich denke, ich habe meinen Standpunkt klar gemacht.

Fin

Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag ein wenig mehr Bewusstsein schaffen und die Menschen über Themen aufklären kann, die zumindest zu meiner Schulzeit leider niemandem ein Begriff waren. Behinderte Menschen gibt es in unserer Gesellschaft, sie sind ein Teil von ihr und sollten auch als solcher behandelt werden. Wenn ihr also das nächste Mal etwas in die Hand nehmt, das euch nutzlos erscheint, denkt, bevor ihr es wegwerft oder euch darüber lustig macht, darüber nach, wie es anderen Menschen helfen könnte. Wer weiß, vielleicht entsteht in eurem Kopf sogar eine Idee für ein neues Gerät welches Menschen helfen kann und vielleicht in Zukunft so beliebt sein wird, dass jeder es benutzt. Ich denke, wir sollten einfach öfter an andere Menschen denken, dann würden einige der Probleme, die wir auf der ganzen Welt haben, verschwinden.

Liebe Grüße
The Mad Hattress

Januar 19

Alles gut zum Geburtstag!

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Mein Blog wird nun genau ein Jahr alt, mein erster Beitrag wurde am 19. Januar 2021 veröffentlicht 🙂 Herzlichen Glückwunsch an mich und vielen Dank an alle, die meine Beiträge gelesen, mit mir darüber gesprochen und mein kleines Projekt hier abonniert haben! Als ich anfing, wusste ich nicht wirklich, wo ich hin wollte. Ich wollte einfach nur über Dinge schreiben, die mir am Herzen liegen, mich mit anderen austauschen und vielleicht ein paar meiner Ansichten teilen. Nach einem Jahr denke ich, dass es einige Dinge gibt, die ich versuchen möchte, zum Besseren zu verändern. Ich möchte regelmäßiger posten, meine längeren Beiträge visuell besser strukturieren und die Webseite zu einem besseren Erlebnis für uns alle machen! Man könnte sagen, das sind meine Neujahrsvorsätze (oder zumindest einige davon) für 2022 😉

Der Start ins neue Jahr war für mich persönlich leider nicht so toll. Ich wollte eigentlich einen Beitrag über unsere Silvestertraditionen schreiben, aber wir sind nicht dazu gekommen, sie alle zu machen, weil wir einen tragischen Verlust in der Familie hatten. Da ich meine Privatsphäre wahren möchte, werde ich das vorerst nicht weiter erläutern, aber bitte habt ein bisschen Geduld mit mir, vor allem was meine Neujahrsvorsätze angeht und welche Art von Posts es in den nächsten Wochen geben wird.
Ich habe noch nicht entschieden, welche Abonnements ich beibehalten, welche ich kündigen oder welche ich neu abschließen werde. Ich habe auch noch nicht zu allen Abos, die ich im letzten Jahr begonnen habe, Rezensionen veröffentlicht, und ich kann auch nicht sagen, wann sie erscheinen werden. Wenn ihr euch also auf monatliche Rezensionen von Abonnement- oder Mystery-Boxen gefreut haben, könnte es eine Weile dauern, bis sich alles eingespielt hat. Aber wenn es soweit ist, hoffe ich, dass wir alle damit zufrieden sein werden 🙂

Außerdem wird es in Zukunft einige kommentarähnliche Beiträge geben, die ich eigentlich schon letztes Jahr geschrieben hatte, aber ich war nicht zufrieden damit, wie sie aussahen und wie sie strukturiert waren. Wie ihr vielleicht an meinem letzten Beitrag über Sexismus in Cartooning in Manga und Anime gesehen habt, habe ich bereits etwas Neues ausprobiert. Zögert nicht, mir mitzuteilen, wie es euch gefallen hat! Einige ähnliche Beiträge werden vielleicht bald folgen, da ich sie, wie gesagt, im Grunde schon vor Monaten vorbereitet habe und es für mich etwas einfacher ist, sie fertigzustellen und hochzuladen, als mir jetzt etwas völlig Neues einfallen zu lassen. Dennoch werden diese Beiträge über einige Themen sprechen, die mir sehr wichtig sind, also sind sie nicht schlecht (hoffe ich), sondern einfach anders als die Beiträge, die ihr hier gewohnt seid zu sehen. Aber ich verspreche, dass es auch in Zukunft unbeschwerte Beiträge und Rezensionen geben wird!

Das Bild am Anfang habe ich selbst gezeichnet und ich bin sehr froh über die Fortschritte, die ich bisher gemacht habe. Das Zeichnen von Menschen fällt mir immer noch schwer, aber ich habe in den letzten Wochen einige wirklich nützliche Tipps und Tricks für das digitale Zeichnen gelernt! Sicherlich werde ich euch in einem der nächsten Beiträge mehr darüber erzählen. Momentan überlege ich noch, ob ich einen neuen Instagram-Account nur für meine Kunst einrichte, wenn ich das mache, werde ich es euch wissen lassen 😉 Vielleicht werde ich sogar noch ein paar weitere Zeichnungen hier posten, wir werden sehen 😛

Und zu guter Letzt habe ich euch noch etwas gaaaaanz Spannendes zu erzählen! Da die meisten meiner regelmäßigen Zuschauer hier eigentlich einige die Brieffreunde sind, die ich über die App “Slowly” kennengelernt habe, weiß ich von vielen, dass sie Deutsch lernen wollen^^ Ich bin selbst kein Lehrer, aber sie haben mir gesagt, dass der Austausch von Briefen mit mir auf Deutsch von Zeit zu Zeit wirklich hilfreich ist 🙂 Also habe ich beschlossen, dass ich zumindest versuchen will (wir werden sehen, wie gut es später funktioniert xD), meine Beiträge sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch zu schreiben! Ich werde sehen müssen, in welcher Reihenfolge ich die späteren Beiträge aktualisieren werde, hoffentlich werden alle Beiträge in Zukunft in beiden Sprachen verfügbar sein. Vielleicht ist es für euch einfach interessant, zwischen beiden Sprachen zu wechseln und zu versuchen, etwas Deutsch zu verstehen 😉 Oder vielleicht ist es wirklich hilfreich für euren Lernfortschritt! So oder so, ich freue mich sehr darüber, es als ein weiteres Feature für meinen Blog im Jahr 2022 eizuführen!

Liebe Grüße
The Mad Hattress

Januar 18

Lasst uns über Tattoos sprechen

In Deutschland gibt es derzeit eine Debatte darüber, ob Tattoos als Kunst gelten und die Tätowierer somit Künstler sind. Das hört sich vielleicht etwas seltsam an, aber es ist eigentlich eine rechtliche Frage, denn wenn man in Deutschland als Künstler anerkannt ist, bekommt man bestimmte Versicherungsleistungen. Es geht also nicht nur um die Kunst selbst, sondern auch um die Menschen dahinter. Da ich selbst keine Tattoos entwerfe, ich es aber liebe, sie zu haben, und ich mir diesen Sommer noch einige stechen lassen werde, möchte ich hier in meinem Blog darüber sprechen. Und ich möchte damit beginnen, euch von einem Teil meiner ganz eigenen Tattoo-Reise zu erzählen.

Ich habe mein erstes Tattoo mit 16 Jahren zusammen mit meiner Mutter bekommen. In Deutschland darf man sich eigentlich erst mit 18 Jahren tätowieren lassen, aber wenn man das Einverständnis seiner Eltern hat und einen Tätowierer findet, der bereit ist, einen zu tätowieren, kann man es legal schon früher tun(mit frühestens 16 Jahren xD). Für mein erstes Tattoo habe ich mir etwas Kleines ausgesucht, weil ich große Angst vor den Schmerzen hatte und irgendwie ausprobieren wollte, wie es ist, sich tätowieren zu lassen. Das war eine gute Idee, aber leider habe ich nicht die beste Erfahrung gemacht, weil mein Tätowierer damals nicht sehr verständnisvoll war… er meinte: “Wenn du vor den Schmerzen Angst hast, solltest du dir kein Tattoo stechen lassen.” Er war wirklich nicht das beste Beispiel dafür, wie ein Tätowierer sein sollte, aber darauf kommen wir noch zurück 😉 Mein erstes Tattoo dauerte etwa 10min, aber es fühlte sich viel länger an, aber ich fühlte mich danach so gut! Ich war so stolz auf mich, es probiert zu haben und so stolz endlich mein eigenes Ding durchgezogen zu haben 🙂

Warum sollte man sich ein Tattoo mit 16 Jahren stechen lassen, fragt ihr euch vielleicht? Ich mochte schon immer sehr, wie sie auf andere Menschen aussahen, aber es war auch eine psychologische Sache für mich. Ich wurde in der Schule oft gemobbt, und ich konnte nichts dagegen tun. Kurz gesagt, ich hatte das Gefühl, die Kontrolle über mein Leben verloren zu haben, und ein Tattoo zu bekommen, eine solche Entscheidung fürs Leben zu treffen, fühlte sich an, als würde ich diese Kontrolle zurückgewinnen. Bei einer Tätowierung geht es also nicht immer nur um Ästhetik, sie kann den Menschen auch dabei helfen, Probleme in ihrem Leben zu bewältigen, mit einem Trauma umzugehen oder ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Es gibt ein bekanntes Meme darüber das Tätowierer für ihre Kunden wie Therapeuten sind, und ich denke, das ist nicht ganz falsch. Bis zu 8 Stunden neben einer Person zu sitzen und zu reden kann Menschen wirklich verbinden 😉

Aber das ist nur ein Teil von dem, was sie mit ihrer Kunst tun. Aber was ist Kunst? Das ist ziemlich schwer zu definieren. “Kunst ist ein äußerst vielfältiges Spektrum menschlicher Aktivitäten, die sich mit der Schaffung visueller, auditiver oder darstellerischer Artefakte – Kunstwerke – befassen, die das phantasievolle oder technische Können des Urhebers zum Ausdruck bringen und wegen ihrer Schönheit oder emotionalen Kraft geschätzt werden sollen.” (lumenlearning) ist eines der Zitate, die man zu diesem Thema finden kann, und sie klingen alle so poetisch wie dieses. Kunst kann alles sein, ist eine ebenso hilfreiche Aussage wie die letzte. Aber in all dem steckt auch ein Stückchen Wahrheit. Technisch gesehen kann jeder ein Künstler sein, vom Kind, das mit Buntstiften an die Wand malt, bis hin zu einer Person, die im Unterricht eine wirklich detailierte Zeichnung anfertigt. Aber in diesem Fall geht es darum, damit Geld zu verdienen, also darum, visuelle, auditive oder darstellerische Artefakte zu schaffen, die das phantasievolle oder technische Geschick des Autors zum Ausdruck bringen und von den Auftraggebern wegen ihrer Schönheit oder emotionalen Kraft geschätzt werden.

Die Künstlersozialkasse, die die Versicherungsleistungen gewähren würde, hat eine etwas leichter zu verstehende Definition dessen, was man tun muss, um aufgenommen zu werden. Voraussetzung ist “die Ausübung einer dauerhaften, selbständigen künstlerischen Tätigkeit auf gewerblicher Basis” und jemand zu sein, “der Musik, darstellende oder bildende Kunst schafft, praktiziert oder lehrt”. Nun könnte man meinen, dass das Problem hier nicht die Kunst an sich ist, da Tätowierer ja auch bildende Kunst schaffen, oder? Nun, in Deutschland werden sie als Kunsthandwerker angesehen, weil das Tätowieren selbst “nicht dadurch künstlerisch wird, dass im Einzelfall nicht nach vorhandenen Mustern oder Schablonen gearbeitet wird, sondern das Motiv selbst gestaltet wird; denn dies ist auch für das Kunsthandwerk typisch.”. Im Grunde bedeutet das, dass die Leute, die darüber entscheiden, wer in die Kasse kommt und wer nicht, der Meinung sind, dass Tätowierer nur das Handwerk des Tätowierens ausüben, also ein Motiv auf die Haut eines Menschen bringen. Und vielleicht war das in der Vergangenheit in einigen Fällen auch so, denn manche Tätowierer arbeiten mit den Entwürfen anderer, manchmal sogar ohne sie zu fragen. Aber die überwiegende Mehrheit und die, die ich persönlich für die besseren Tätowierer halte, tätowieren nur ihre eigenen Entwürfe.

Ich habe eine Freundin, die sich, sagen wir mal, leicht in Designs verliebt, und wenn sie etwas sieht, möchte sie genau dieses Design haben. Aber bei der Suche nach einem Künstler, der ihr dann genau das tätowiert, stößt sie öfter mal auf Probleme, da die meisten Künstler ihr sagen, dass sie versuchen werden, das Design in ihrem Stil nachzubilden oder sie gar nicht zu tätowieren. Nicht, weil sie arrogant sind oder einfach nicht mit ihr arbeiten wollen, sondern weil es sich für sie nicht richtig anfühlen würde. Und wenn das nicht künstlerisch ist, dann sagt mir, was es ist. Ein guter Tätowierer sollte nicht nur sein Handwerk beherrschen (technisches Geschick), sondern auch dem Kunden helfen, seinen Entwurf zu Papier zu bringen (phantasievolles Geschick), daran zu arbeiten, bis er fertig ist (um für seine Schönheit oder emotionale Kraft geschätzt zu werden), und auch emotionale Unterstützung zu geben, für den Prozess des Tätowierens, aber auch im Allgemeinen. Was ich meinem Künstler, der mein erstes Tattoo gestochen hat, sagen wollte: Wenn du nicht gerne mit Menschen arbeitest, die Emotionen haben, dann werde nicht Tätowierer. In der Kunst geht es nie um dich, sondern immer um sie.

Meine Tattoo-Reise ist noch lange nicht zu Ende und ich wusste die Antwort auf die anfängliche Frage schon die ganze Zeit: Natürlich sind Tattoos Kunst und ihre Schöpfer sind Künstler, die auf jeden Fall so schnell wie möglich in die Sozialkasse aufgenommen werden sollten! Nicht nur, um sie zu unterstützen, sondern auch, um sie und ihre Arbeit zu würdigen. Wenn ihr möchtet, könnt ihr mir in den Kommentaren mitteilen, was ihr davon haltet, natürlich auf eine faire Art und Weise 🙂 Und wenn ihr mehr über das Thema oder meine Tattoos im Allgemeinen wissen möchtet, lasst es mich wissen!

Liebe Grüße
The Mad Hattress

Januar 18

Häufig gestellte Fragen über Tattoos und das Tätowieren

Da ich bald wieder tätowiert werde, habe ich gerade Lust, über eine meiner Leidenschaften zu sprechen 😛 Ich habe gerade einen Artikel über einige rechtliche Fragen geschrieben, die die Künstler in Deutschland betreffen, dieses Mal möchte ich mich auf einige baldige Kunden konzentrieren, vielleicht ist es ja einer von euch 😉 Ich bekomme einige Fragen zum Tätowieren immer wieder gestellt, und da ich denke, dass es nur natürlich ist, sie zu stellen. Und weil es wichtig ist, die Leute zu informieren, möchte ich euch jetzt genau das präsentieren: meine am häufigsten gestellten Fragen und meine persönlichen Antworten darauf. Viel Spaß beim Lesen und wenn ihr das Gefühl habt, dass eure Fragen noch nicht beantwortet wurden, könnt ihr gerne weitere Fragen zu diesem Thema stellen!

Tut es weh, wie stark tut es weh und wo tut es am meisten weh?
Ich verstehe zu 100 %, warum diese Frage so häufig gestellt wird, denn wie kann man sich diese Art von Schmerzen vorstellen, wenn man sie nie selbst erlebt hat? Ich hatte auch große Angst vor meinem ersten Tattoo, deshalb habe ich mich für ein eher kleines Tattoo entschieden, um sozusagen den Zeh ins Wasser zu halten und zu sehen, ob ich es überleben würde. Das ist also mein allgemeiner Tipp für alle, die sich ein Tattoo stechen lassen wollen, aber nicht wissen, ob sie die Schmerzen aushalten. Es muss ja nicht gleich ein großes sein, mein erstes war in 10min fertig gestochen 😉
Aber um die Frage vollständig zu beantworten: Ich kann es eigentlich nicht xD Das Problem ist, dass der Schmerz von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist. Mein Mann und ich haben uns am selben Tag ein Partnertattoo vom selben Künstler stechen lassen und für uns beide war es eine Tätowierung nach einer längeren Zeit, in der wir nicht tätowiert wurden, also waren wir nicht daran gewöhnt, so wie es jetzt vielleicht der Fall ist. Mein Mann ist beim Tätowieren tatsächlich fast eingeschlafen, er beschrieb das Gefühl als eine Art Massage und nicht wirklich als Schmerz. Ich glaube auch, dass diese Tätowierung eine der weniger schmerzhaften war, weil sie an einer guten Stelle war und ziemlich klein (je länger man sich tätowieren lässt, desto mehr schmerzen auch kleine Bewegungen), aber ich glaube, ich könnte so nie einschlafen, weil es für mich viel zu irritierend wäre. Und das ist genau das Problem, das man so oder so oder vielleicht auch ganz anders empfinden kann, es ist also eine sehr persönliche Sache, das muss man für sich selbst herausfinden.

https://www.healthline.com/health/body-modification/pain-tattoos-chart#pain-chart

Es gibt einige Bilder im Internet, auf denen die Leute versuchen, Bereiche zu beschreiben, in denen der Schmerz schwerer und leichter zu ertragen ist, aber auch das ist sehr persönlich. Wenn ich mir eines der Bilder anschaue, die ich online gefunden habe, ist der Brustbereich sehr empfindlich und für die meisten Menschen fast zu schmerzhaft, um sich tätowieren zu lassen. Mein Mann hat sich auch ein Tattoo auf der Brust stechen lassen. Bei diesem Tattoo hat er tatsächlich von Schmerzen die er hatte gesprochen, aber nicht auf eine schlimme Art und Weise. Er sagte, dass es sich weniger wie eine Massage anfühlt, sondern eher so, wie sich eine Tätowierung anfühlen sollte xD Man kann also irgendwie auf das Bild schauen und sehen, dass die meisten Bereiche mit weniger Körperfett, wo die Haut fast auf den Knochen aufliegt, im Allgemeinen schmerzhafter zu tätowieren sind. Aber das ist wieder von Person zu Person verschieden. Was die meisten Leute, die ich kenne, tatsächlich als sehr schmerzhafte Stelle beschreiben und witzigerweise die meisten Anfänger (ich auch xD) aus irgendeinem Grund als Stelle für ihr erstes Tattoo wählen, ist unter dem Handgelenk, wo die Venen zu sehen sind. Dort sind sich viele Leute einig: es ist ziemlich schmerzhaft, aber es ist blau in der Tabelle, also… traut dem einfach solchen Tabellen und Diagrammen nicht zu sehr 😉 .

Ist das Gefühl beim Tätowieren wie eine Spritze beim Arzt?
Ich kann nur sagen, dass eine Tätowierung nicht mit einer Impfung verglichen werden kann. Viele Leute scheinen es zu vergleichen, weil beides mit Hilfe einer Nadel gemacht wird, aber auf völlig unterschiedliche Weise. Bei einer Impfung in der Arztpraxis muss die Nadel tief in die Haut eindringen und dick genug sein, damit das Medikament hindurchgepumpt werden kann. In einem Tätowierstudio sind die Nadeln ziemlich klein und haben kein Loch, da die Tinte aufgenommen und nicht durch die Nadel geleitet wird. Außerdem wird ein guter Tätowierer nur etwa 3 mm tief in die Haut stechen, anstatt tief unter die Haut zu gehen. Wenn du also vielleicht Angst vor Nadeln von Ärzten hast (was ich tatsächlich habe), bedeutet das nicht, dass du auch Angst vor Tattoo-Nadeln haben musst 🙂

Wie viel kostet eine Tätowierung?
Auch das ist eine häufig gestellte Frage: schwer zu beantworten oder zu verallgemeinern. Das “Problem” ist, dass es immer schwierig ist, Kunst zu bewerten, weil sie für jeden Menschen einen anderen Wert haben kann. Schaut euch nur Picassos Gemälde an, findet ihr sie kunstvoll oder sehen sie für euch aus, als hätte ein Kleinkind sie gemalt? Jeder hat eine andere Vorstellung von Kunst, und deshalb würde auch jeder einen anderen Preis dafür zahlen. Tätowierer müssen das richtige Gleichgewicht finden zwischen der Bezahlung für die Arbeitsstunden, die sie in den Entwurf und das eigentliche Tätowieren eines Werkes stecken, aber auch für den künstlerischen Wert, die verwendeten Materialien und andere Kosten, die sie haben. Ein Studio in Hamburg muss zum Beispiel mehr Miete zahlen als ein Studio in einer Kleinstadt, was bedeutet, dass sie größere Kosten haben, die sie kompensieren müssen, weshalb Tattoos in Hamburg im Allgemeinen mehr Geld kosten als in der Stadt, in der ich zur Schule ging. In Hamburg würde man sich zum Beispiel normalerweise kein Tattoo unter 100-120€ stechen lassen (Walk-In Days* sind eine Ausnahme), weil es für den Künstler keinen Sinn machen würde, da er keinen Gewinn erzielen würde und vielleicht nicht einmal genug Geld hätte, um seine Kosten zu decken. Die Tattoos die ich in Hamburg gestochen bekommen habe, schwanken preislich bisher zwischen 150€ und 900€ (für ein Motiv). Und da kann es große Unterschiede geben! Wenn dieser Beitrag online geht, habe ich zum Beispiel mein neues Tattoo auf der Rückseite meines rechten Arms bereits und werde 350€ dafür bezahlt haben. Aber ich habe bereits ein Tattoo an genau derselben Stelle auf meinem anderen Arm geplant, das mich rund 850€ kosten wird. Ich kann euch nicht sagen, warum der eine Künstler sein Tattoo so günstig anbieten kann und der andere nicht, aber sie werden ihre Gründe haben, und meistens muss man den Preis akzeptieren, wenn man ein Design haben will. Bitte nehmt niemals das Design und sucht nach einem schlechten Künstler, der es macht, nur um das Design billiger zu bekommen. Wenn es euch so wichtig ist, solche Mühen auf sich nehmen, um es zu bekommen, dann solltet ihr auch den richtigen Künstler dafür bezahlen, denn auch ihm wird es wichtig sein. Und Sparen ist auch immer eine Option 🙂

Wie entscheidest du dich für ein Tattoo?
Das ist immer eine interessante Frage xD Das könnte mit der nächsten Frage zusammenhängen… Eigentlich gehöre ich zu den Leuten, die sich irgendwie spontan für ein Tattoo entscheiden. Ich scrolle durch Instagram, suche nicht einmal wirklich nach einem neuen Tattoo, sondern stolpere immer irgendwie über eines (oftmals ein WannDo**) 😛 Normalerweise denke ich ein paar Tage darüber nach und versuche, es entweder auszudrucken oder auf meinem Handy zu positionieren, damit ich es an die Stelle halten kann, an der ich es stechen lassen möchte, um zu sehen, ob es gut aussieht oder nicht. Es ist ein Gefühl, ob es sich richtig anfühlt, ob ich es ändern möchte, ob es zu meinen anderen Tattoos passt, was es für mich bedeuten könnte und so weiter. Und wenn dieser Prozess abgeschlossen ist und ich es immer noch haben möchte, frage ich nach einem Preis und überlege dann, ob ich genug Geld dafür habe oder nicht, meistens plane ich kurz danach einen Termin 😛

Wie kannst du sicher sein, dass es dir auch nach Jahren noch gefällt? (Und wie altert ein Tattoo?)
Das ist die Frage, die ich meinte. Viele Leute sagen, sie könnten sich niemals ein Tattoo stechen lassen, weil sie sich nicht für ein Design entscheiden können, da sie nicht wissen können, ob es ihnen in 5-10 Jahren noch gefällt oder nicht. Ich kenne auch jemanden, der sich ein Tattoo-Motiv an die Wand pinnt und es sich ein Jahr lang ansieht, und wenn es ihm dann immer noch gefällt, lässt er es sich stechen xD Für mich klingt das irgendwie lächerlich, weil ich weiß, dass man, wenn man zu viel über ein Tattoo nachdenkt, IMMER etwas daran auszusetzen hat, so wie man es mit allem machen kann. Außerdem ist es etwas ganz anderes, ein Tattoo an der Wand hängen zu haben, als es auf der Haut zu haben, denn ein Tattoo wird ziemlich schnell zu einem Teil des Körpers. Es ist schwer zu erklären, aber es fühlt sich schnell so an, als hätte man diese Tätowierung schon immer gehabt, auch wenn sie erst einen Monat alt ist. Vielleicht liegt das daran, dass man es ständig sieht und sich der Verstand irgendwie daran gewöhnt. Das bedeutet, dass man nicht lange darüber nachdenkt, selbst wenn einem eine Kleinigkeit am Design nicht gefällt, zumindest ist das meine Erfahrung. Ich habe ein Tattoo mit ein paar Händen, die im Vergleich zum Rest des Designs etwas schief aussehen, aber ich betrachte es nie auf diese Weise, ich sehe einfach, dass das Ganze auf meinem Arm toll aussieht und mich zum Lächeln bringt 😉 .
Was die Alterung von Tattoos angeht, so geht jeder anders damit um. Zum einen kann man immer verhindern, dass das Tattoo zu schnell altert, z. B. durch Sonnenschutz oder lange Kleidung, aber es gibt viele Tipps und Tricks. Man kann eine Tätowierung auch alle paar Jahre auffrischen, je nachdem, wo man sie sich tätowieren lässt, oder man kann sie öfter oder seltener auffrischen lassen. Eine Tätowierung auf der Hand zum Beispiel muss alle zwei bis drei Jahre aufgefrischt werden, damit sie scharf bleibt, denn die Haut auf der Hand ist ständig in Bewegung und wird durch Händewaschen, Anfassen und Arbeiten stark beansprucht. Eine Tätowierung auf dem Arm muss vielleicht nur alle 20 Jahre oder vielleicht nie aufgefrischt werden (je nachdem, wie du sie pflegst). Es gibt auch Leute, die ihre Tätowierungen nie auffrischen lassen und denen es gefällt, wie sie mit ihnen altern, es gibt also viele verschiedene Möglichkeiten, die wiederum von Person zu Person unterschiedlich sind 😉

Gibt es etwas, was ich beachten/vorsichtig sein sollte?
Das ist nicht gerade eine Frage, die mir häufig gestellt wird, aber da dieser Beitrag so hilfreich wie möglich sein soll, möchte ich euch ein paar Tipps mit auf den Weg geben 🙂 Auch weil es einige Dinge gibt, die ich persönlich nicht erlebt habe, aber von denen ich gehört habe und die ihr beachten solltet.
Der erste Punkt ist natürlich, sich nicht zu Hause oder im Hinterhof eines Hauses oder so tätowieren zu lassen. Das Tätowieren muss immer ein steriler Prozess sein, um sicherzustellen, dass sich die offene Wunde nicht infiziert. Deshalb müssen der Künstler und sein Arbeitsplatz sauber sein, und du musst dich in der Umgebung wohlfühlen, um tätowiert zu werden. Wenn du dich nicht wohl fühlst, hast du das Recht zu gehen. Fühle dich nicht verpflichtet, dich tätowieren zu lassen, wenn dir die Situation unangenehm ist.
Eine weitere Situation, der man sich bewusst sein sollte, ist die, dass es überall schwarze Schafe gibt, und kürzlich hörte ich von einem Tätowierer, der Frauen ausnutzte und schlecht behandelte. Er bot ihnen an, sich tätowieren zu lassen, aber anstatt mit Geld zu bezahlen, wollte er mit Geschlechtsverkehr bezahlt werden. Natürlich ist Sex im Allgemeinen nichts Schlechtes, aber ihn als Gegenleistung für etwas zu verwenden, ist meistens keine gute Idee, und ich kenne keinen seriösen Tätowierer, der das jemals anbieten würde. Für mich ist das ein Warnsignal, auf das ich achten muss, und ein Zeichen, dass ich mich nach einem anderen Künstler umsehen sollte.
Schau auch immer nach anderen Arbeiten, die der Künstler gemacht hat, um sicher zu sein, dass er dir das gewünschte Design tätowieren kann. Instagram ist eine gute Plattform für Künstler, um ihre früheren Arbeiten zu zeigen, und ich habe damit immer gute Erfahrungen gemacht. Manche Künstler haben keine große Präsenz auf Instagram, aber sie haben ihre alten Arbeiten in einigen Büchern oder auf einer Website abgedruckt. Lass dich niemals von jemandem tätowieren, den du nicht kennst, von dem du noch nie gehört hast und über den du nichts im Internet oder in seinem Studio finden kannst. Es geht nicht darum, neuen Künstlern keine Chance zu geben, sondern sich vor Leuten zu schützen, die das Handwerk nicht wirklich gelernt haben. Man ist nicht automatisch ein Tätowierer, nur weil man eine Tätowiermaschine in der Hand hat, aber es gibt Leute, die sich dafür halten und den Titel benutzen, obwohl sie nicht qualifiuiert sind. Sei dir dessen also immer bewusst.

Alles in allem ist das Tätowieren etwas wirklich Tolles für mich persönlich und vielleicht auch für dich. Wenn du mit dem Gedanken spielst, dich tätowieren zu lassen, aber es gibt Fragen, die dich davon abhalten, hoffe ich wirklich, dass ich dir helfen konnte. Natürlich ist der Gedanke an ein Tattoo im Allgemeinen nichts Schlechtes, man sollte nur nicht zu viel darüber nachdenken 😉 Und sich nicht tätowieren zu lassen, ist auch eine berechtigte Meinung, aber vielleicht warst du trotzdem neugierig darauf und ich konnte dir auch dabei helfen! Wie auch immer, ich wünsche dir viel Glück bei deinem Vorhaben.

Liebe Grüße
The Mad Hattress

*Walk-In-Day: Das ist eine Veranstaltung, die oft in einem Tattoo-Studio stattfindet, wo die Künstler einige Blätter mit WannaDos vorbereiten, mit dem Ziel, so viele Leute wie möglich an einem Tag zu tätowieren, im Grunde jeden, der hereinkommt 😉 .
**WannaDo: Das ist ein Design, das sich der Tätowierer selbst ausgedacht hat, ohne den Wunsch des Kunden dahinter, also im Grunde nur etwas, das der Künstler selbst machen will^^

Januar 18

Über Kristalle und Magie

Hallo, Leute aus dem Wunderland, und willkommen zurück zu einem Story-Post von mir^^ Mit diesem Post möchte ich nicht informativ sein, da ich keine Expertin auf dem Gebiet bin, aber ich möchte euch von den Erfahrungen erzählen, die ich gemacht habe. Behaltet das also im Hinterkopf, wenn ihr ihn lest, ich bin ein blutiger Anfänger, wenn überhaupt xD Aber ich interessiere mich sehr für diese Themen, also wollte ich euch von meinen Recherchen und Erkenntnissen berichten!

Collage of the diffrent Itemas I got and will talk about in this post: a purple amathyst cluster, a white/tranparent selenite heart, a turmaline, a rose quarz pendelum and a glas wand filled with cleary crystals.
Diese Bilder habe ich vom Etsy Shop, ich werde sie wieder verwenden weil ichl sebst noch keine machen konnte. Die Shops werden aber immer verlinkt sein, also schaut gern mal vorbei. Wie gesagt die Rechte an den Bildern gehören der Etsy Shop Besitzern 😛

Seit meiner Kindheit hatte ich eine Affinität zu Steinen. Ich sammelte sie gerne, vor allem wenn sie glänzend oder glatt waren, nahm sie als Souvenirs von Reisen mit oder behielt sie einfach in der Hand, um mit ihnen zu spielen. Sie schienen mich immer ruhiger oder glücklicher zu machen, ohne Grund oder zumindest ohne ersichtlichen Grund, den ich mir vorstellen konnte. In letzter Zeit war ich wegen vieler stressiger Dinge, die in meinem Leben passiert sind, niedergeschlagen, und meine Mutter kaufte mir eine Stein-Halskette, was nichts damit zu tun hat, sie tat es nicht, weil ich traurig war, sondern weil sie mir gerne schöne Dinge schenkt. Jedenfalls hat diese Steinkette mein Interesse an Steinen wieder geweckt, denn während ich sie trug, fühlte ich mich tatsächlich besser, und ich liebte es, mit dem Anhänger über meiner Brust herumzuspielen.

Ich fing an, über das Trommeln von Steinen nachzudenken, eine Kunst, bei der glatte Steine zu Schmuck- oder Dekorationszwecken bearbeitet werden. Aber das ist ein bisschen kompliziert, weil man mehrere ziemlich teure Dinge braucht und bestenfalls einen Keller oder eine Veranda hat, wo man die Steine trommeln lassen kann, damit sie einen selbst oder die Nachbarn nicht stören. Leider habe ich beides im Moment nicht, also habe ich den Gedanken, das als Hobby zu betreiben, erst einmal verworfen. Aber Steine gingen mir trotzdem nicht aus dem Kopf, und ich begann, über die Eigenschaften zu recherchieren, die viele naturbasierte Glaubensrichtungen wie Wicca und Pagan ihnen zuschreiben. Sie sagen, dass sie zur Heilung, zur Reinigung oder zum Schutz eines Gebietes verwendet werden können. Auch wenn sie, als ich über sie recherhiert habe, öfter als Kristalle bezeichnet werden. Was sich so viel besser anhört als Steine, also werde ich sie von nun an auch so nennen 😛

Natürlich ist es völlig normal, anfangs skeptisch zu sein und zu denken: “Wie können mir ein paar Steine oder Kristalle oder wie auch immer man sie nennen will, in meinem täglichen Leben helfen?”, und ich denke, es ist völlig berechtigt, solche Fragen zu stellen. Ich betrachte mich selbst als rationalen Atheisten, also glaube ich normalerweise nicht an Dinge, die nicht bewiesen sind, aber ich hatte auch immer diese spirituelle Seite in mir und diesen Gedanken: “Warum sollte es in dieser Welt nicht etwas Magie geben?”. Vielleicht schreibe ich deshalb auch gerne darüber in meinen Geschichten xD Und da ich generell ein offener Mensch bin, dachte ich, ich sollte es zumindest ausprobieren und sehen, ob ein paar Kristalle eine positive Veränderung in meinem Leben bewirken können, egal wie klein sie auch sein mag.

In diesem Zusammenhang möchte ich auch über einen psychologischen Effekt sprechen, der sich selbst erfüllende Prophezeiung genannt wird. Ich bin mir sicher, dass ihr schon einmal davon gehört habt, da er auch in Büchern und Filmen verwendet wird 😉 Im Grunde beschreibt der Effekt, dass wenn eine Person fest und lange genug daran denkt, dass etwas passieren wird, es auch tatsächlich passieren kann. Natürlich kann man sich keinen Welpen wünschen und ihn auf magische Weise bekommen, aber manche Gedanken können tatsächlich körperliche oder geistige Reaktionen auslösen. Die meisten davon sind leider schlimme Reaktionen wie Panikattacken, Krankwerden oder eine Scheinschwangerschaft, um nur einige zu nennen. Aber sie können auch positive Reaktionen hervorrufen, z. B. können sie eine Panikattacke auslösen, sie können sie aber auch stoppen, oder man kann sich buchstäblich etwas Positives oder Mut einreden, wenn man es braucht. Um also auf das Thema der Kristalle zurückzukommen: Auch wenn sie vielleicht keine positive Wirkung auf das Leben der Menschen haben, die direkt wissenschaftlich bewiesen werden könnte, ist es trotzdem sehr gut möglich, dass sie diese Wirkung auf einige Menschen haben. Nicht von naturaus aber durch so eine sich selbst erfüllende Prophezeihung.

Alles in Allem, wäre das beste Szenario also, dass diese Steine mir tatsächlich helfen, mich besser oder ausgeglichener im Leben zu fühlen, entweder aufgrund eines tatsächlichen naturbasierten Energieeffekts oder aufgrund einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Im schlimmsten Fall wären diese Kristalle wirklich nur glänzende Steine, aber dann könnte ich sie immer noch als coole Dekoration für mein Zuhause oder sogar als Referenzen beim Zeichnen verwenden! Im Grunde kann ich hier also nicht viel falsch machen, deshalb habe ich im Internet nach Steinen und ihrer Bedeutung gesucht und einige gekauft, um sie auszuprobieren! Wenn ihr bis zu diesem Teil des Beitrags durchgehalten habt, seid ihr wohl zumindest etwas am Thema interessiert, also werde ich euch jetzt erzählen, welche Steine ich gekauft habe und welche Wirkung sie haben sollen, viel Spaß! Und eine kurze Anmerkung: Während ich diesen Artikel schreibe, ist noch keiner der Kristalle eingetroffen, deshalb verwende ich die Bilder aus den Etsy-Shops (alle Rechte liegen bei ihnen!) und erzähle euch von den Sachen, die ich recherchiert habe. Über die tatsächliche Wirkung kann ich euch noch nichts sagen, aber vielleicht schreibe ich nach einiger Zeit einen zweiten Beitrag 😉 Lasst mich wissen, wenn ihr daran interessiert seid!

Picture of the wand: a glas vile filled with clear crytsals(unpolished) with a polished clear crytsal ball at the end and a polished clear crystal tip, The ends are connected to the vile with a metal strip.
Zauberstab aus Bergkristallen von KristallundKessel on Etsy


Das erste, was ich bekam, war eigentlich nicht einmal “nur ein Kristall”, es ist eigentlich ein Zauberstab aus Glas und Bergkristallen 😛 Ich weiß was ihr jetzt vielleicht denkt, aber hör mir erst mal zu xD Ein Zauberstab wird tatsächlich in einigen wiccan und pegan Praktiken verwendet, aber nicht so, wie man es aus Filmen und Büchern kennt 😛 Es kommen also keine Flammen oder Lichter aus ihm heraus, wenn man den richtigen Zauberspruch benutzt. Er wird eher in Ritualen benutzt, um die eigene Energie zu bündeln und sie zu Objekten zu leiten, mit denen man seine Rituale durchführt, sozusagen wie ein Dirigent. Sie sollen auch dabei helfen, negative Energie von deinem Körper wegzuschicken. Es gibt sie in vielen verschiedenen Formen und Größen, z. B. aus einem Kristall geschnitzt oder aus einem Baumzweig gefertigt. Manche kann man in Geschäften kaufen, aber eigentlich könnte man sie auch selbst aus Dingen herstellen, die man in der Natur findet und die einen irgendwie faszinieren. Ich bin nicht sehr geschickt, wenn es um Holzschnitzerei und dergleichen geht, und wie ich bereits erwähnt habe, bin ich von Kristallen fasziniert. Als ich also diesen Zauberstab sah, wollte ich ihn unbedingt haben und ausprobieren 😛 Wenn ihr mehr über das Thema Zauberstäbe wissen wollt, kann ich euch eines der Videos empfehlen, die ich auf Youtube gesehen habe:https://www.youtube.com/watch?v=JLKA9ECQ-vc (Enchanted Endeavours Ep. 14 by Harmony Nice, auf Englisch).

The hand of the seller holding some random Turmaline crystals, which are black and look like they are cut right out of a mountain, very rough.
Unbearbeiteter Turmalin von KristallundKessel on Etsy

Der zweite Artikel, den ich bekommen habe, ist einer dieser rohen bzw. unbearbeiteten Turmalinkristalle, die man vielleicht schon in Schmuckstücken gesehen hat, aber in der veredelten Version, wo sie tatsächlich in verschiedenen Farben leuchten können. Ich muss sagen, auf dem Bild erinnern sie mich ein bisschen an Kohle, aber ich bin auch von ihrer tiefschwarzen Farbe fasziniert. Wie den meisten schwarzen Kristallen wird ihnen nachgesagt, dass sie sehr gut dazu geeignet sind, negative Energie loszuwerden und vor neuer negativer Energie zu schützen, und dass sie daher zu den mächtigsten Schutzsteinen gehören. Einige der Leute, auf die ich bei meinen Nachforschungen gestoßen bin, raten sogar dazu, immer einen von ihnen bei sich zu haben (wenn man natürlich daran glaubt, kein Druck). Man sagt auch, dass sie den Benutzer dazu bringen, sich bestimmter Entwicklungen und Prozesse in seinem Leben bewusster zu werden, was einen selbst in die Lage versetzt, sie besser zu kontrollieren, was eigentlich perfekt für einen kleinen Kontrollfreak wie mich klingt xD

The seller holding a rose quarz pendelum on a short metal chain.
Rosequarz Pendel von KristallundKessel on Etsy

Der dritte Gegenstand, den ich bekommen habe, ist ein Rosenquarzpendel, wieder etwas, das neben den energetischen Wirkungen einen zweiten praktischen Zweck hat. Natürlich habt ihr schon einmal von Pendeln gehört oder sie vielleicht sogar selbst benutzt, sie werden meist für Vorraussagungen und Radiästhesie verwendet. Jetzt haben wir wieder eines dieser Glaubens-gegen-Wissenschafts-Dilemmata, denn natürlich ist es höchst unwahrscheinlich, dass man die Zukunft tatsächlich vorhersagen kann. Aber man kann dieses Pendel eher als einen Weg sehen, zu verstehen, was man unterbewusst will.
Es gibt zwei Wege, die ich gelernt habe, wie man das macht, einen einfachen und einen etwas komplizierteren xD Der einfache Weg ist im Grunde nur, dem Pendel eine Frage zu stellen und dann darüber nachzudenken, was man als Antwort haben möchte. Natürlich braucht man dafür technisch gesehen kein Pendel, aber ich denke, es kann einigen Leuten helfen. Die andere Möglichkeit hat mit Meditation zu tun. Im Grunde versucht man, sein Unterbewusstsein kleine Wellen durch die Nerven schicken zu lassen, die das Pendel in eine bestimmte Richtung schwingen lassen. Das Ziel dabei ist, das Pendel nicht nur bewusst zu schwingen, sondern das Unterbewusstsein ein wenig die Kontrolle übernehmen zu lassen. Ich habe es noch nicht ausprobiert, daher weiß ich nicht, ob es funktioniert, aber vielleicht kann ich es euc in Zukunft sagen 😉
Der für das Pendel verwendete Kristall ist der Rosenquarz, vielleicht der beliebteste dieser Kristalle, der in der Schmuckherstellung verwendet wird, daher bin ich sicher, dass ihr ihn schon einmal gesehen habt! Er soll auch der beliebteste Heilstein sein, weshalb er auch oft in diesen Gesichtsrollern verwendet wird, um zum Beispiel Kopfschmerzen zu vertreiben. Es heißt auch, er sei der Stein der Liebe und könnte dich mit jemandem verbinden oder bei Liebesritualen helfen 😉

The seller holding a heart shaped selenite crystal in her hand, very polished and about half the size of her hand.
Selenite Herz von Adelaidespath on Etsy

Als Nächstes kommt ein Selenitherz, das ich als sogenannten Handschmeichler verwenden möchte. Ein Handschmeichler ist im Grunde ein glatter Kristall der speziell für das Schmeicheln der Hand verwendet wird also um damit herum zu spielen und sich mit den Händen zu beschäftigen. Selenit scheint perfekt dafür zu sein, denn er soll den Geist beruhigen und bei Hyperaktivität helfen, wie z. B. die Konzentrationsfähigkeit erhöhen und Vitalität verleihen. Mir gefällt, wie groß er ist, und ich weiß schon irgendwie, dass ich ihn gerne anfassen werde xD Er ist auch sehr beliebt, vielleicht wegen der ihm zugeschriebenen Eigenschaften, vielleicht aber auch, weil er ein sehr weicher Stein ist, der leicht bearbeitet werden kann, so dass man viele Selenitsteine mit Gravur sieht. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, weil ich ihn so glatt wie möglich wollte^^

The seller holding the amathyst crystal cluster, which also looks very rough and natural.
Amytist Cluster von KristallundKessel on Etsy

Zu guter Letzt werde ich mir noch einen Amethyst-Cluster zulegen^^ Ich habe mich sehr dafür interessiert, weil Amethyst eigentlich mein Geburtsstein ist und diese Steine sich sehr gut mit dem Nutzer verbinden sollen und somit noch besser wirken. Außerdem ist meine Lieblingsfarbe violett und ich wollte sowieso schon immer so einen Rohsteincluster haben xD Sie sehen nicht nur umwerfend aus, sondern man kann sie auch dazu benutzen, andere Kristalle wieder mit Energie aufzuladen. Ich habe also herausgefunden, dass es immer eine gute Idee ist, einen von ihnen in der Nähe zu haben 😉 Dem Amethysten selbst wird auch eine sehr beruhigende Energie nachgesagt, weshalb viele Menschen mit ihm in der Nähe ihres Bettes schlafen und er auch Angstzustände reduzieren soll.

Das sind alle Kristalle, die ich hoffentlich bald bekommen werde, und ich freue mich schon sehr auf sie. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie mir wirklich geistig oder körperlich helfen werden, versuche ich, offen zu bleiben. Und um ehrlich zu sein, macht mich das Wissen, dass ich sie bald in meiner Wohnung haben werde und dass ich sie anschauen und mit ihnen herumspielen kann, schon glücklich. Ich denke also, ich kann hier wirklich nicht verlieren 😉 Wenn ihr wissen wollt, ob sie tatsächlich funktioniert haben oder nicht, lasst es mich wissen und ich mache vielleicht einen zweiten Teil^^ Erzählt mir auch von euren Erfahrungen mit Steinen und Kristallen oder Fragen, die ihr zu dem Thema habt. Hinterlasst also gerne einen Kommentar!

Liebe Grüße
The Mad Hattress

Januar 18

Die Austellung “Broken” von Reiinku

Hallo, Menschen aus dem Wunderland! Kürzlich habe ich an einer ganz besonderen Ausstellung teilgenommen und wollte euch davon erzählen 🙂 Die Ausstellung fand in einem Kunststudio namens Resdient Creative statt, in dem man sich tätowieren lassen, aber auch chillen und einfach von Kreativität umgeben sein und vielleicht selbst kreativ sein wird. Die Ausstellung wurde von Daria Reiin alias Reiinku gestaltet und in einem Keller unter dem Atelier eingerichtet. Die Ausstellung ist noch bis Ende des Monats(August 2021) zu sehen und ich würde euch empfehlen, dorthin zu gehen, wenn ihr zufällig in Hamburg seid^^ Aber denkt daran, dass ihr zuerst einen Termin vereinbaren müsst, bleibt sicher und gesund!

Official poster of the exhibition with a close up of the mai piece: a girl and her oni mask falling. Text says: 31 July. 31 August 2021, Broken(in japanse and english)" on the left side: "Exhibition by Reeinku" on the right: "of masks and inner demons".

Der Raum, den ihr auf dem Foto seht, war eigentlich hinter einem Vorhang versteckt und mit Rauch gefüllt, damit die Beleuchtung richtig zur Geltung kam. Es war wirklich cool zu sehen, wie die Kunst von dem Raum eingerahmt wurde, der mit den Seilen im Shibari-Stil und anderen Dekorationen selbst wie ein Kunstwerk aussah. Man kann wirklich sagen, dass es ein Erlebnis war, den Raum zu betreten. Es ging nicht nur darum, die Kunst selbst zu betrachten, sondern auch die Stimmung und die Ausstellung als Ganzes zu spüren. Es war wirklich interessant, und ich kann nicht sagen, dass ich so etwas schon einmal erlebt habe. Natürlich ist es auf den Bildern nie dasselbe, man muss es wirklich in Echt erleben.

Picture shows a cella with white walls and many ropes in shibari style tying everything together. At the end of the room there is a jean jacket with the main art piece on it, with two ringlights shining at it. Infront of it are diffrent other art pieces haning.

Das Konzept hinter der Ausstellung, das sich auf den Namen “Broken” bezieht, ist das soziale Konzept des Maskentragens. Vielleicht um sich an eine bestimmte Umgebung anzupassen oder um etwas zu verbergen, das andere nicht sehen sollen, tragen viele Menschen täglich eine Art Maske. Und manche Menschen tragen ihre Masken vielleicht schon so lange, dass sie sich ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen können. Was würde also passieren, wenn einige dieser Masken anfangen zu splittern, zu zerbrechen und zu zerspringen und das offenbaren, was darunter verborgen war? Und was würden wir dann sehen? Wäre es dieselbe Person, die die Maske ursprünglich aufgesetzt hat, oder hätte sie sich verändert?

Einige dieser Fragen werden vielleicht durch die Gemälde beantwortet, die wir in dem Raum hängen sehen. Sie zeigen zwei verschiedene Personen. Die eine trägt eine Maske, um wie ein hübsches Mädchen auszusehen, vielleicht steht das Weiß für Reinheit. Aber wenn sie zerbröckelt, enthüllt die Maske, dass sich etwas Dunkles darunter befindet, etwas Gefährliches, das auch durch die verwelkende Blume dargestellt wird. Auf der anderen Seite haben wir eine Person, die eine Maske trägt, um wütend, ja sogar hässlich auszusehen, aber die Risse offenbaren ein schönes und liebevolles Gesicht, das durch die Blume in ihrer vollen Pracht unterstrichen wird. So könnte man es also sehen: Manche Menschen versuchen, hübsch auszusehen, aber sie sind in ihrem Inneren hässlich, so wie Menschen, die nach außen hin wütend erscheinen, in Wirklichkeit liebevoll sein können.

A Collage of the other art pieces, on the left side: the first picture show hald of a face wearing an oni demon marsk with shar theeth and horns, the secound one show a flower blooming, the third one shows the other half of the face with the same mask, but crombeling around the eye, reavealing a much nicer face behind the mask. On the right side: there is hald of a face looking lighe a beautiful face but with a big crack, the secound picture is a flower wilting away and the thirs one is the other half of the face again crumbeling around the eyes reavailng a dark, dangerous looking monster underneeth.

Das Hauptkunstwerk der Ausstellung war eine Jeansjacke, die mit Seilen verflochten war und die Zeichnung eines Mädchens zeigte, das seine Maske vollständig verloren hat. Mir gefällt besonders, wie die Jacke selbst hochgehalten wird, sie sieht sehr dynamisch aus, fast so, als könnte man sich vorstellen, dass das Mädchen die Jacke trägt, während es über den Verlust seiner Maske und möglicherweise eines großen Teils seiner Identität schockiert ist. Die Maske stellt einen japanischen Dämon namens Oni dar, der mit seinen Hörnern, gelb leuchtenden Augen und scharfen Zähnen abgebildet ist. Das Mädchen hinter der Maske trägt ein wenig Make-up und sieht im Vergleich dazu fast unschuldig aus. Aber auch sie hat Hörner, vielleicht hat sie mit der zerbrochenen Maske also nicht alles verloren. Vielleicht identifiziert sich ein Teil von ihr bereits mit dem Dämon, den sie trug. Ich interpretiere das gerne als ein Mädchen, das schüchtern ist und vielleicht Angst hat, aber eine Maske des Selbstbewusstseins trägt, um sich zu schützen. Wenn also die Maske fällt, bleibt ein Teil dieses Selbstbewusstseins erhalten, was bedeutet, dass sie sich nun auch ohne die Maske schützen kann, oder es könnte bedeuten, dass der Dämon immer noch in ihr ist, auch wenn es so aussieht, als hätte sie ihn abgelegt.

A photo of the main piece, a jean jacket with flowers on the arms and a innocent looking girl on the back, a mask he wore broke in half and is falling down. The mask is of a japanese demon called oni and it has horns, same as the girl has.

Alles in allem war es eine ganz besondere und faszinierende Erfahrung, und ich bin sehr froh, daran teilgenommen zu haben! Was besonders interessant war und vielleicht nicht in jeder Ausstellung möglich ist, ist, dass die Künstlerin selbst uns durch die Ausstellung führte und mit uns über ihre Absichten für jedes Werk sprach. Es ist vielleicht nicht ganz richtig, hier und jetzt darüber zu schreiben, aber wie ich eingangs sagte: Wenn ihr die Chance habt, es selbst zu erleben, dann tut es 😉 Wenn es weitere Ausstellungen von Reiinku gibt, werde ich sie mir auf jeden Fall ansehen! Und wenn ihr die erstaunliche Künstlerin hinter dieser Ausstellung kennenlernen wollt, könnt ihr das hier tun:

Reiinku’s Instagram Seite: https://www.instagram.com/reiinku/?hl=de
Reiinku’s Webseite: https://reiinku.com/

Liebe Grüße
The Mad Hattress

Januar 18

Covid-19: Eine Deutsche Perspektive (Teil 1)

Covid 19, in Deutschland besser bekannt und oft als Corona bezeichnet, kam scheinbar aus dem Nichts und begann vor etwa 2 Jahren unser aller Leben durcheinander zu bringen. Ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, wie ich mir in Hamburg mein erstes Tattoo stechen ließ, nur wenige Wochen vor dem ersten Lockdown, wie ich unbeeindruckt herumlief und in Bussen fuhr, obwohl sich das Virus bereits ausbreitete. Es ist sehr seltsam, wenn ich jetzt daran zurückdenke, um ehrlich zu sein. Es war das letzte Mal, dass ich meine Freunde und die Kommilitonen meiner Universität für eine lange Zeit gesehen habe. Und da es schon so lange her ist, dachte ich, dass ich vielleicht darüber schreiben könnte, wie es mich persönlich betroffen hat und all meinen nicht-deutschen Zuschauern eine Vorstellung davon geben könnte, wie es in meinem Land war. Ich werde Themen wie Angst, Proteste, Impfungen und positive Veränderungen ansprechen. Wenn euch also irgendetwas davon in irgendeiner Weise belastet, schlage ich vor, dass ihr diesen Beitrag überspringt und einen meiner anderen genießt. Wenn ihr noch hier seit, möchte ich euch mit zurück in den März 2020 nehmen.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber ich glaube nicht, dass wir das erste Land waren, das Maßnahmen gegen Corona ergriffen hat. Am Anfang hatten wir nur ein paar Nachrichten über das, was in China passiert ist, aber ich würde sagen, dass nur wenige Leute wussten, was wirklich vor sich ging. Ich war sogar so ahnungslos, dass ich mir eine Fledermaus tätowieren ließ, die nichts mit Corona zu tun hat und auch nie etwas damit zu tun haben wird, aber die Leute machen gerne Witze darüber, wenn ich ihnen von der Zeit erzähle, als ich sie mir stechen ließ. Damals war alles so neu für uns, dass wir noch nicht einmal ein deutsches Wort für den Begriff “Lockdown” hatten, weshalb wir einfach den englischen Begriff verwendet haben und danach nie wieder einen deutschen gesucht haben. Das war eigentlich etwas, was ich persönlich noch nie erlebt hatte. Die einzige “Lockdown” -ähnliche Situation, in der ich war, war, als es im Winter so stark schneite, dass ich nicht zur Schule gehen konnte, weil die Busse nicht fuhren.

Weil das ein so neues Phänomen war, wusste niemand, wie lange ein Lockdown dauern musste, um wirksam zu sein. Aber da mein neues Semester an der Universität bereits im April begann, begann ich mir bald Gedanken darüber zu machen, wie es wohl aussehen würde, wenn ich keinen Fuß in meine Fakultät setzen dürfte. Ich dachte tatsächlich, dass ich für eine Weile mit dem Studium aufhören müsste, weil ich wirklich nicht daran glaubte, dass es in Deutschland Online-Kurse geben würde. Nicht, weil ich nicht glaubte, dass Online-Lernen möglich wäre, sondern weil ich stark daran zweifelte, dass Online-Unterricht in Deutschland überhaupt möglich sein könnte. Als ich meinen Brieffreunden damals davon erzählte, verstanden sie meine Sorgen zunächst nicht, weil sie dachten: Deutschland ist doch ein so modernes und reiches Land, warum sollte das ein Problem sein? Ich will hier nicht zu tief in die Politik einsteigen, aber soweit ich weiß, war die Regierung wirklich das Problem, wenn es um die technologische Entwicklung ging. Das Internet und seine Möglichkeiten im Allgemeinen schienen die Verantwortlichen einfach nicht so sehr zu interessieren, vielleicht machte es ihnen sogar Angst.

“Das Internet ist für uns alle Neuland” war ein Zitat unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel, das im Jahr 2013 viral ging, weil es so lustig war. Damals gab es natürlich schon Facebook, fast alle Plattformen und Apps, die wir heute kennen, exsitierten bereits. Aber so lustig das auch war, es zeigte, wie unfähig unsere Regierung war, Themen wie die Digitalisierung anzugehen, denn für sie war das Internet wirklich ein neuer Ort. Sie hatten dem nur nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie dachten, dass sie es nicht nötig hätten. 7 Jahre bevor die Pandemie Deutschland traf, begannen unsere Politiker also zum ersten Mal über Dinge wie Tablets im Unterricht und Online-Seminare nachzudenken. Und im Jahr 2020 fühlte es sich nicht so an, als hätte sich seitdem viel verändert, weshalb die meisten Leute anfangs dachten, dass Online-Kurse scheitern würden. Aber das war überraschenderweise nicht der Fall.

Wenn ich darüber spreche, was passiert ist, kann ich nur über meine persönlichen Erfahrungen sprechen, über das, was an meiner Universität, bei meiner Arbeit und in meiner Umgebung passiert ist. Ich will nicht behaupten, dass ich weiß, wie sich alle gefühlt haben oder wie jeder Bundesstaat gehandelt hat und wollte das nur noch einmal deutlich machen. Ich weiß nicht, wie, aber Hamburg und meine Universität haben es tatsächlich geschafft, eine Zoom-Lizenz zu kaufen und fast alle Kurse in weniger als einem Monat online zu stellen. Sie waren in der Lage, den Lehrern und Professoren zu zeigen, wie man es benutzt, und auch wenn es anfangs vielleicht ein bisschen schwierig war, haben alle ihr Bestes gegeben, damit es funktioniert. Das Einzige, was sie nicht taten, war, Geräte auszuhändigen, so dass nur Leute mit einer stabilen Internetverbindung und einem PC, Smartphone oder Tablet, die die Zoom-Software unterstützen, tatsächlich daran teilnehmen konnten. Das wäre vielleicht das Einzige gewesen, was ich damals kritisiert hätte, aber da ich zu den wenigen Glücklichen gehörte, die einen geliehenen PC bekamen, konnte ich mich wirklich nicht beschweren.

Ich habe nur deshalb einen PC bekommen, weil ich mich vor dem Lockdown und allem anderen für meinen ersten Job überhaupt beworben habe. Wie einige von euch vielleicht aus meinen alten Beiträgen wissen, arbeite ich als studentische Hilfskraft in einem Projekt meiner Universität, das darauf abzielt, ein digitales Wörterbuch für die Deutsche Gebärdensprache (DGS) zu erstellen. Für meine Arbeit muss ich eine bestimmte Software benutzen können, die Leute an der Universität selbst entwickelt haben, weshalb ich nicht irgendeinen PC benutzen konnte, sondern einen bestimmten Typ, der irgendwie an die Server der Universität angeschlossen werden musste. Sie nutzten die Tatsache, dass die Computer in meiner Fakultät nicht benutzt wurden und besorgten sie für uns, damit wir zu Hause damit arbeiten konnten. Und so hatte ich sie auch, als das neue Semester begann, wofür ich sehr dankbar war und immer noch bin, weil es die Arbeit in den Zoom-Kursen so viel einfacher machte, als es mit meinem normalen Laptop der Fall gewesen wäre. Aber ich weiß, wie viele andere Leute Probleme mit der Einrichtung ihres Heimbüros hatten, also nehmt mich vielleicht nicht als das beste Beispiel. Viele Leute hatten damit zu kämpfen, und obwohl die Dinge funktionierten, waren sie noch lange nicht perfekt.

Es gibt viele Dinge, die ich euch über die eineinhalb Jahre der digitalen Universität erzählen könnte. Ich könnte zum Beispiel erzählen, wie einfach es für meine gehörlosen Professoren war, sich an die Situation anzupassen, weil sie schon lange Videochat nutzten und kein Problem damit hatten, innerhalb des Kamerarahmens zu gebärden, aber wir Studenten schon. Oder wie ich einen Studenten kennenlernte, der versuchte, einen digitalen Raum fürs Kennenlernen einzurichten, in dem er versuchte, das Gefühl zu vermitteln, neue Leute auf dem Campus zu treffen, sich mit Freunden zu unterhalten und die technischen Möglichkeiten nicht nur zum Lernen zu nutzen. Oder dieser eine Professor, der sich mehr darum kümmerte, wie viel Arbeit er bei der Überprüfung des digitalen Tests haben würde, als um die Sicherheit seiner Studenten. Er wollte den Test mit vielen Studenten vor Ort statt sicher im digitalen Raum abhalten, während wir im Winter eine der höchsten Corona-Fallzahlen hatten! Alles in allem würde ich sagen, dass alles viel besser gelaufen ist, als man vielleicht erwartet hätte, aber es gibt immer noch einiges zu verbessern.

Verbesserung ist der letzte Punkt, über den ich im Zusammenhang mit der Universität sprechen möchte. Aber da der Beitrag schon so lang ist, werde ich wohl einen Teil 2 oder 3 schreiben müssen, um euch von den anderen Gedanken und Themen zu erzählen, die ich angeschnitten hatte xD Ich hoffe, das ist okay für euch und ihr seid immer noch an dem Rest interessiert 😉 Zurück zum Thema: Verbesserung scheint ein großes Problem zu sein, denn niemand will in sie investieren. Warum eigentlich? Weil alle denken, dass eine Situation wie diese nie wieder kommen wird und “hoffentlich” (für einige Leute) alles wieder normal wird. In meinen Augen ist das eine sehr problematische Denkweise, denn ich glaube nicht, dass die vorherige Situation perfekt war, und alles, was wir jetzt verbessern würden, käme den Menschen auch später zugute. Dinge wie das Home Office, Online-Lernen und so weiter. Aber ich fürchte, dass die meisten Verantwortlichen in Deutschland immer noch nicht verstanden haben, wie wichtig solche Dinge sein können. Um es mit den Worten eines Mitstudenten zu sagen, mit dem ich einen Kurs hatte: “Ich hoffe wirklich, dass wir nicht wieder in die Steinzeit zurückgehen, wenn der Pandamus vorbei ist”.

In meinem nächsten Beitrag zu diesem Thema möchte ich darüber sprechen, warum es so viele Proteste gegen die Lockdowns und Impfungen gab und gibt. Aber bedenkt, all dies ist aus meiner Erfahrung und basiert auf meiner Meinung. Ich spreche nicht für alle deutschen Menschen oder Studenten im Allgemeinen. Danke für euer Verständnis.

Liebe Grüße
The Mad Hattress

Januar 18

Covid-19: Eine Deutsche Perspektive (Teil 2)

Das letzte Mal habe ich mehr über die Erfahrungen deutscher Studenten mit Corona berichtet, als ich eigentlich geplant hatte. Wenn ihr das nicht gelesen habt, aber daran interessiert seid, könnt ihr es hier nachlesen. Heute möchte ich mich mehr auf die allgemeine Situation in Deutschland konzentrieren, wie die Leute sich fühlten und warum es vielleicht so anders war als in anderen Ländern. Auch hier möchte ich über Dinge sprechen, die mir aufgefallen sind, ich spreche nicht für jeden Deutschen, der die Pandemie bisher erlebt hat und auch nicht für jeden Studenten, alles was ich hier erzähle, ist meine eigene Meinung und meine eigene Sicht auf die Dinge, die in den letzten eineinhalb Jahren passiert sind.

Beginnen wir gleich mit den Ereignissen, über die meine Brieffreunde am meisten überrascht waren, nämlich zu hören, dass die Leute gegen die Corona-Regeln protestieren. Ich habe keine endgültige Antwort darauf, warum die Menschen so sehr gegen die Regierung kämpfen, aber ich habe einige Ideen, was zu diesem Verhalten geführt haben könnte. Die erste ist Wut: Meine Mutter und ihr Freund wollten eigentlich einen großen Urlaub machen, nachdem sie jahrelang nicht fahren konnten, buchten sie einen Flug in die Türkei und wollten im April 2020 dorthin fahren. Aber dann wurde der Flug gestrichen, weil die Türkei aus offensichtlichen Gründen keine Touristen mehr einreisen lassen wollte. Die erste Reaktion des Freundes meiner Mutter war Wut, er war wütend, dass er nicht in den Urlaub fahren konnte, den er selbst geplant und verdient hatte, und er musste diese Emotion auf jemanden richten. Hier kommt Grund zwei ins Spiel: Fake News. Er las einen Artikel auf WhatsApp, in dem es darum ging, dass Trump den Virus entwickelt und verbreitet hat, um die Kontrolle über die Welt zu erlangen. Da fand seine Wut einen Sündenbock: Er wollte glauben, dass Trump dafür verantwortlich ist, um auf ihn wütend sein zu können, da er nicht wirklich auf einen Virus wütend sein konnte, den er nicht verstand. Es war einfacher, an eine schattenhafte Gestalt mit schlechten Absichten zu glauben als an ein unsichtbares Virus, das irrational handelte.

Es gab viele verschiedene Artikel wie diesen, in denen verschiedene Personen für die Pandemie und ihre Folgen verantwortlich gemacht wurden. Sie wurden persönlich und im Internet verbreitet, und die Menschen wollten ihnen nicht nur glauben, sondern hatten teilweise nicht einmal eine andere Quelle, die ihnen sagen konnte, was vor sich ging. In ihrer Verwirrung und ihrem Drang, die Gründe für die harten Entscheidungen der Regierung zu verstehen, nutzten sie die erste Gelegenheit, um sich von jemandem erklären zu lassen, was vor sich ging, auch wenn es sich verrückt anhörte, weil das, was um sie herum geschah, ebenfalls verrückt war. Als die Regierung später versuchte, mehr zu erklären, war es bereits zu spät, die Menschen hatten sich ihre Meinung gebildet und hatten nicht vor, sie zu ändern. Es entstand ein großes Misstrauen zwischen einem Teil der Öffentlichkeit und der Regierung mit ihren Ärzten, die versuchten, die Geschehnisse mit wissenschaftlichen Methoden zu erklären. Noch einmal: Es war einfach einfacher, an eine Organisation von Kriminellen zu glauben, die das Virus geschaffen hatten, als den Erklärungen zuzuhören, wie ein Virus von einer Fledermaus auf den Menschen übertragen wurde und warum man deshalb jetzt Masken tragen musste.

Ich will nicht sagen, dass diese Menschen dumm waren, aber vielleicht ein bisschen naiv und leicht zu manipulieren. Das wurde leider fast sofort von den Leuten genutzt, die zuvor Probleme mit der Regierung hatten. Im Grunde genommen nutzte jede Gruppe, ob links oder rechts, die ein Problem mit unserer Bundeskanzlerin Merkel, unserer Regierungsform oder etwas Ähnlichem hatte, das von Corona verursachte Chaos, um mehr Menschen dazu zu bringen, mit ihnen zu marschieren. Die so genannte “Querdenker”-Bewegung entstand aus der Einheit all dieser Menschen, was eigentlich alle überraschte, denn es war wohl das erste Mal überhaupt, dass Menschen von ganz links und ganz rechts zusammenkamen. Sie organisierten so viele verschiedene Proteste in ganz Deutschland, dass ihr, wenn ihr einen Nachrichtenbericht über die Proteste gesehen habt, vielleicht Fotos von ihnen gesehen habt, wie sie durch die Straßen marschieren, die Corona-Sicherheitsregeln missachten und nicht gestoppt werden. Warum wurden sie nicht gestoppt, sondern irgendwann sogar von der Polizei angeführt, fragt ihr euch sich vielleicht, und das ist eine gute Frage, die allerdings schwer zu beantworten ist.

In einer Demokratie sollte man immer das Recht haben, zu protestieren. Wenn man das nicht hat und befürchten muss, verprügelt oder verhaftet zu werden, weil man seine Meinung sagt, lebt man in einer Diktatur oder etwas Radikalem wie dieser. Ich denke also, dass diese Proteste ein gutes Zeichen dafür sind, dass die Demokratie funktioniert, oder sie zeigen ihre Schwächen auf, je nachdem, wie man es sieht. Jedenfalls ist das der Hauptgrund, warum Deutschland solche Veranstaltungen nicht einfach verbieten konnte. Sie haben versucht, sie so sicher wie möglich zu machen, indem sie entschieden haben, dass Proteste nur mit genügend Abstand zwischen den Teilnehmern und dem Tragen von Masken stattfinden können. Aber wie ich bereits erwähnt habe, wurde das meist ignoriert, und wenn Hunderte von Menschen, in manchen Städten sogar Tausende, sich nicht daran halten, was kann die Polizei dann tun? Sie durch die Straßen zu führen, zu versuchen, sie daran zu hindern, andere zu verletzen, und die Veranstaltung hoffentlich so schnell wie möglich zu beenden, war wohl das Vernünftigste, was man tun konnte.

Für viele Menschen, die ihre Masken kaufen und tragen mussten, um einkaufen oder zur Arbeit gehen zu können, war es trotzdem schwer, das im Fernsehen zu sehen. Masken und die Regelung dazu sind eigentlich ein Thema für sich. Zu Beginn der Pandemie begannen wir, Stoffmasken zu verwenden, die jeder zu Hause selbst herstellen konnte, was nicht nur billiger war, sondern auch die einzig mögliche Option. Die Nachfrage nach medizinischen Masken wäre so groß gewesen, dass die Regierung nicht genug für alle hätte bereitstellen können. Aber als sie genug von wer weiß woher eingekauft hatten, verfügten sie, dass die Menschen nun keine Stoffmasken mehr tragen durften, nur noch medizinische Masken galten als sicher genug. Das war ein großes Problem, denn es wurde auch geraten, die medizinischen Masken nur einmal zu benutzen, was bedeutete, dass wir von billigen Masken, die man waschen und wiederverwenden konnte, jedes Mal eine neue Maske kaufen mussten, wenn wir das Haus verlassen wollten.

Also wurden die Menschen wieder wütend, weil sie gezwungen wurden, Masken zu kaufen und Geld auszugeben, das sie vielleicht gar nicht hatten, während Tausende von Demonstranten im Fernsehen gezeigt wurden, die das nicht jeden Tag taten. Kleine Unternehmen waren wütend, weil sie die versprochene Hilfe nicht rechtzeitig bekamen, so dass einige von ihnen schließen mussten. Eltern waren wütend, weil sie nicht wussten, wann und wie lange die Schulen wieder geöffnet sein würden und wie sie ihr Arbeitsleben mit der Betreuung ihrer Kinder rund um die Uhr vereinbaren sollten, und die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Ich möchte damit sagen, dass es völlig legitim ist, verwirrt und wütend zu sein über das, was in dieser Zeit der Krise passiert ist. Aber ich hoffe, dass viele Menschen auch gelernt haben und vielleicht ihre Meinung darüber geändert haben, wie es zu all dem kommen konnte und warum die Regierung so gehandelt hat, wie sie es getan hat. Es mag nicht perfekt gewesen sein, nicht alle Entscheidungen waren die besten, aber es war für uns alle das erste Mal, dass wir mit solchen Problemen konfrontiert wurden. Und vielleicht sind wir dadurch besser auf künftige Situationen vorbereitet, nicht auf künftige Pandemien, wie ich hoffe, sondern auf Kinder, die von zu Hause aus lernen, auf eine neue Sichtweise der Work-Life-Balance und auf die Zusammenarbeit für ein gemeinsames Ziel. Das ist es, worüber ich in meinem letzten Beitrag dieser Serie sprechen möchte: positive Veränderung.

Liebe Grüße
The Madd Hattress

Januar 18

Covid-19: Eine Deutsche Perspektive (Teil 3)

Die Pandemie war für so viele Menschen auf so vielen Ebenen verheerend, ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich das nicht anerkenne, wenn ich diesen Beitrag schreibe. Ich habe bereits zwei Teile geschrieben, die ihr hier nachlesen könnt, in denen ich über die Auswirkungen der Pandemie auf mein Studentenleben hier und die Reaktion der deutschen Öffentlichkeit auf einige der getroffenen Regelungen hier berichtet habe. In diesem letzten Teil möchte ich mich auf die positiven Veränderungen konzentrieren, die die Pandemie für uns als Gesellschaft gebracht haben könnte. Ich denke, dass wir aus all dem Leid einige Lektionen oder Fähigkeiten gelernt haben, die uns in Zukunft helfen könnten.

All die Dinge, über die ich sprechen möchte, sind Spekulationen auf der Grundlage dessen, was wir in den letzten anderthalb Jahren entwickelt haben, angefangen bei der Digitalisierung. Wie ich im ersten Teil dieses Kommentars erwähnt habe, haben sich viele Schulen und Universitäten auf digitales Lernen eingestellt, sie haben ihr Personal geschult, die Lizenzen für verschiedene digitale Programme wie Zoom gekauft und alles online verfügbar gemacht. Ich kenne Professoren, die noch nie über die Möglichkeit nachgedacht haben, ihre Arbeit zu digitalisieren, und jetzt machen sie PowerPoint-Präsentationen und laden sie jede Woche hoch. Das ist so, weil sie es müssen und es keine andere Möglichkeit gibt, die Studenten zu unterrichten, wenn es verboten ist, sich in einem Klassenzimmer zu treffen. Aber natürlich könnten wir das beibehalten, wenn die Pandemie vorbei ist, und eine Art Hybridmodell ausprobieren, über das bereits an einigen Orten gesprochen wird. Das würde bedeuten, dass jeder Schüler selbst entscheiden könnte, welche Art von Lernumgebung er bevorzugt, und das finde ich wirklich großartig.

Home Office ist eine weitere Sache, die an vielen Arbeitsplätzen für unmöglich gehalten wurde, bis sie aus Gründen der Sicherheit ausprobiert werden musste. Und meistens waren alle erstaunt, als es tatsächlich möglich war, nicht nur das, sondern für viele war es einfach bequemer. Sie mussten nicht zwei Stunden zur Arbeit fahren, was ihnen entweder mehr Freizeit oder mehr Zeit zum Schlafen verschaffte, beides tolle Dinge. Vielleicht war es für die Menschen auch einfacher, in einer bequemen Umgebung wie zu Hause zu arbeiten, anstatt den ganzen Tag in einem Großraumbüro zu sitzen. Die Unternehmen könnten sogar die Kosten für die Miete eines Bürogebäudes einsparen, so dass es für die meisten Menschen eine Win-Win-Situation ist, oder? Warum haben wir das nicht schon früher ausprobiert? Ich weiß, dass es für manche Menschen, vor allem für Eltern, notwendig sein kann, einen Ort zu haben, an dem sie arbeiten können, aber vielleicht könnten wir auch hier ein Hybridmodell haben? Wo die Leute selbst entscheiden können: Möchte ich in ein Büro gehen (das auch nur vorübergehend sein kann, immer noch billiger als ein ganzes Gebäude zu mieten) oder möchte ich von zu Hause aus arbeiten?

Die Digitalisierung von Arbeit und Lernen kann sich auch für Menschen positiv auswirken, die aus verschiedenen Gründen nicht persönlich vor Ort sein können. Vielleicht können sie keine Wohnung in der Nähe finden, um jeden Tag rechtzeitig da zu sein. Vielleicht können sie ihr Haus nicht verlassen, vielleicht müssen sie sich um jemanden kümmern und so weiter. Ich habe erfahren, dass Menschen aus verschiedenen Bundesländern jetzt an meiner Universität in Hamburg studieren, weil es für so viele möglich geworden ist! Gebärdensprache zum Beispiel ist ein Fach, das man nicht überall studieren kann, vielleicht können Leute, die das studieren wollen, aber nicht hierher kommen konnten, es jetzt von zu Hause aus studieren. Mein Mann hat einen Job in Hannover bekommen, das ist etwa 2 Stunden von hier entfernt und wäre zu weit, um jeden Tag zu fahren, aber jetzt kann er auch von zu Hause aus teilnehmen. Wie toll ist das denn?

Corona hat uns auch gezeigt, wo unser System im Allgemeinen versagt haben könnte. Was zum Beispiel die Schulen betrifft, so hat die Öffentlichkeit durch den Virus herausgefunden, dass viele Schulen tatsächlich kaputte Fenster haben, die nicht geöffnet werden können. Das ist aufgefallen, weil die Lehrerinnen und Lehrer aufgefordert wurden, die Räume richtig zu lüften, damit die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich ist. Einige Schulen waren dazu einfach nicht in der Lage, was schrecklich zu wissen ist, aber hoffentlich wird das jetzt behoben. Die Menschen haben auch begonnen, sich mehr Gedanken über den Missbrauch zu Hause zu machen, der aufgrund der vielen Lockdowns sprunghaft angestiegen ist, so dass sie hoffentlich auch dagegen Maßnahmen ergreifen werden. Es wurde das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit eingeführt, wie es in vielen asiatischen Ländern schon seit Jahren üblich ist, und viele Menschen in Deutschland haben gesagt, dass sie dies auch hier in Zukunft beibehalten wollen, vor allem in kalten Jahreszeiten.

Es mag sich so anhören, als würde ich nur die guten Dinge sehen wollen, aber manchmal ist das notwendig, und es hat mir geholfen, in dieser Situation, in der wir alle waren und immer noch sind, meinen Verstand zu bewahren. Es tut mir leid für all die Menschen, die in diesen Zeiten Familie und Freunde verloren haben, für alle, die ihre Arbeit verloren haben, ihre Geschäfte schließen mussten oder einen Teil ihrer Kindheit verloren haben, die kein richtiges Studentenleben führen konnten, die nicht reisen und die Welt sehen konnten. Die Krise hat uns viel genommen, aber wir müssen das Licht in der Dunkelheit sehen. Ich hoffe, dass euch diese Art der deutschen Perspektive auf die Dinge, die geschehen sind, trotzdem gefallen hat. Die Idee ist eigentlich entstanden, weil viele Menschen in Deutschland derzeit gegen die Impfung wüten und ich eine Art Tagebucheintrag darüber machen wollte, wie die Impfung für mich war. Aber dann dachte ich mir, ich sollte darüber sprechen, wie die Situation in Deutschland im Allgemeinen ist, und so habt ihr jetzt meine drei Teile. Ich denke, dass ich die Sache mit dem Impftagebuch noch machen werde, also haltet die Augen offen, wenn ihr mehr darüber wissen wollt, wie das für mich war.

Liebe Grüße
The Mad Hattress

Januar 18

Covid-19: Impftagebuch

An dieser Stelle habt ihr vielleicht schon meinen dreiteiligen Kommentar über die Situation in Deutschland gelesen, wo die Pandemie immer noch andauert. Im letzten Teil habe ich erwähnt, dass ich ein Tagebuch führen möchte, in dem ich über meine Erfahrungen mit dem gesamten Impfprozess spreche, nun ist es soweit. Ich möchte darüber sprechen, wie die Impfung im Allgemeinen in Deutschland wahrgenommen wird, wie und welche Impfmöglichkeiten man hat und wie es für mich persönlich war, all das durchzumachen.

Die Impfung scheint ein zweischneidiges Schwert zu sein: Einerseits glauben viele Menschen, dass sie das Heilmittel für alles ist und uns zu einem pandemiefreien Leben zurückführt, andererseits sind die Menschen sehr verwirrt über die verschiedenen Arten, die es gibt, und darüber, wer sich impfen lassen sollte, so dass sie sich vielleicht gar nicht impfen lassen wollen. Ich bin irgendwie dazwischen, ich habe generell ein Problem mit Nadeln beim Arzt, deshalb habe ich lange mit mir gerungen, ob ich mich impfen lassen soll oder nicht. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, mich impfen zu lassen, um mich selbst zu schützen, aber auch, um zu verhindern, dass das Virus mutiert und weitere Varianten auftauchen. Aber ich kann auch verstehen, warum manche Leute Angst haben könnten.

Die ersten Impfstoffe, die wir in Deutschland hatten, waren von AstraZeneca aus England und der Impfstoff von Biontech/Phizer, der in Zusammenarbeit zwischen einem deutschen und einem amerikanischen Unternehmen hergestellt wurde. Das sind völlig unterschiedliche Arten von Impfstoffen, aber die meisten Leute wissen nicht, wie Impfstoffe im Allgemeinen funktionieren, also war das auf Anhieb verwirrend. Ähnlich wie bei den auf WhatsApp verbreiteten Artikeln über die Verantwortlichen für die Pandemie, über die ich in meinem zweiten Kommentar gesprochen hatte, wurden sehr schnell Fehlinformationen verbreitet. Teilweise wurde sogar absichtlich oder unabsichtlich in den Nachrichten darüber berichtet, insbesondere AstraZeneca wurde in ein schlechtes Licht gerückt. Spätestens als das Thromboserisiko mit der Impfung in Verbindung gebracht wurde, wollte sich niemand mehr impfen lassen, was dazu führte, dass viele Dosen einfach unbenutzt im Müll landeten.

Das lag zum Teil an dem Prioritätssystem, das wir anfangs hatten. Da wir nur so wenige Impfdosen hatten, wurden nur die Menschen geimpft, die es am nötigsten hatten, weil für sie das Risiko am größten war, bei einer Infektion mit dem Virus zu sterben. Angefangen bei sehr alten Menschen, Risikopatienten mit Vorerkrankungen und dem Personal in Krankenhäusern und Altenheimen. Junge Leute durften einfach nicht zum Arzt gehen und sich impfen lassen, weil wir nicht genug hatten und die wenigen Dosen, die wir hatten, aufgespart wurden. Und die Dosen, die nicht mehr gebraucht wurden, konnten oft nicht wiederverwendet werden oder durften wegen dummer Vorschriften nicht bei jüngeren Menschen eingesetzt werden. Das Prioritätssystem wurde abgeschafft, als wir mehr Dosen bekamen und mehr verschiedene Impfstoffe von der EU zugelassen wurden. Gleich danach bekamen mein Mann und ich unsere Termine.

Wenn man sich impfen lassen wollte, hatte man verschiedene Möglichkeiten. Man konnte sich entweder bei seinem Hausarzt auf eine Liste setzen lassen und wurde benachrichtigt, wenn genügend Impfstoff vorhanden war, um sich impfen zu lassen. Man konnte sich auch in ein so genanntes Impfzentrum begeben, das im Grunde genommen ein vorübergehend eingerichtetes Krankenhaus war, das nur dem Zweck diente, Menschen zu impfen. Oder man konnte auf eine der Möglichkeiten warten, bei denen es sich um eine Art Walk-In-Event handelte, bei dem man versuchte, so viele Menschen wie möglich an einem Tag zu impfen, indem man das leere Fußballstadion oder andere Gebäude nutzte, die wegen der Pandemie gerade nicht genutzt wurden. Mein Mann und ich beschlossen, einen Termin in einem Impfzentrum zu vereinbaren, weil das für mich die beste Option war, da ich nicht gerne in die Arztpraxis gehe und ich hoffte, dass die Impfung in einer anderen Umgebung für mich einfacher sein würde. Unser erster Termin war Anfang Juli und der zweite Ende August (weil man dazwischen eine gewisse Zeitspanne einhalten musste).

Wir konnten uns die Firma, deren Impfstoff wir bekamen, nicht aussuchen, aber wir konnten entscheiden, welche Art von Impfstoff wir bekamen. Wir wollten einen der mRNA-Impfstoffe bekommen und wurden dann von der Impfstelle (ich werde sie von nun an mit VC für Vaccinationcenter abkürzen) zufällig ausgewählt, welchen wir bekommen. Mein Mann bekam Moderna und ich den von Biontech/Phizer. Als wir am VC ankamen, wurde es von Sicherheitskräften bewacht, was auf mich etwas einschüchternd wirkte, aber mit einem QR-Code, den wir bei der Buchung des Termins per Post erhalten hatten, war es ziemlich einfach, hineinzukommen. Wir wurden durch Pfeile auf dem Boden und eine tunnelartige Struktur mit mehr Sicherheit im Inneren zu den Kabinen geführt, in denen sich die Ärzte befanden. Ein Arzt informierte uns über die Art des Impfstoffs und die möglichen Nebenwirkungen, und nachdem wir einige Papiere unterschrieben hatten, wurden wir durch einen weiteren Tunnel in einen kleinen Raum geführt.

Mein Mann musste mich sogar in die richtige Richtung schieben, denn obwohl wir uns nicht in einer Arztpraxis befanden, löste dies bei mir einen Schock aus, und ich begann zu weinen, sobald ich den Raum betrat. Aber ich hatte großes Glück, eine Ärztin (oder Krankenschwester, ich bin mir nicht sicher) zu haben, die sehr verständnisvoll war und alles versuchte, um mich zu trösten. Sie war sogar tätowiert, was toll war, denn normalerweise sagen die Leute in solchen Situationen gerne: “Ach, du hast Tattoos, also kannst du keine Angst vor Nadeln haben”, obwohl das zwei völlig verschiedene Dinge sind, vor allem, weil Tattoonadeln viel kleiner sind und nur etwa 3 mm tief in die Haut gehen. Jedenfalls hat der Arzt mit mir geredet, versucht, mich abzulenken, und mir den ganzen Prozess so angenehm wie möglich gemacht, wofür ich sehr dankbar bin. Ich habe sogar ein Bonbon bekommen, was sich vielleicht sehr kindisch anhört, aber eigentlich war es dafür gedacht, dass mein Kreislauf nicht zusammenbricht.

Nach der Spritze wurden wir in einen anderen Korridor geführt, wo wir etwa 15 Minuten lang sitzen mussten, um zu sehen, ob irgendwelche allergischen Reaktionen auftreten würden, die dann sofort vom medizinischen Personal hätten behandelt werden können. Zum Glück haben wir so etwas nicht erlebt, haben unser kostenloses Wasser getrunken, versucht, uns zu beruhigen, und dann durften wir gehen. Alles in allem muss ich sagen, dass es angenehmer war, als ich befürchtet hatte, und wir hatten auch ziemliches Glück, denn abgesehen davon, dass der linke Arm meines Mannes gleich danach weh tat, hatten wir auch keine Nebenwirkungen.

Unser zweiter Termin musste wegen der Arbeit meines Mannes verschoben werden, was aber nur bedeutet, dass wir ihn etwa eine Woche früher bekommen haben. Wir brauchten auch keinen weiteren Termin zu vereinbaren, denn es schienen jeden Tag so wenige Leute zu kommen, dass das nicht nötig gewesen wäre. Wir konnten also einfach den Zettel von der letzten Impfung vorzeigen und wurden wieder hereingeführt. Wieder war alles so wie beim letzten Mal, wir wurden eingewiesen, unterschrieben ein paar Papiere und wurden in den Raum geführt. Und ja, ich habe wieder geweint, aber es hat wieder alles gut geklappt. Ich hatte nicht einmal irgendwelche nennenswerten Nebenwirkungen. Mein Mann hatte einige Tage nach der Spritze noch Schmerzen im rechten Arm, aber zum Glück auch nichts Schlimmeres.

Das war also meine Erfahrung und ich bin sehr froh, dass es vorbei ist. Ich hatte große Angst, vor allem wegen meiner eigenen Vorerkrankungen, aber vielleicht auch ein wenig wegen der sehr seltsamen und verwirrenden Art und Weise, wie die Medien darüber berichteten. Ich kann dir nur empfehlen, zu einem Arzt in deiner Nähe zu gehen (wenn du kannst) und mit ihm darüber zu sprechen, welcher Impfstoff für dich am besten wäre, und vielleicht kann er dir auch helfen, einen Termin zu finden. Nehmt jemanden mit, wenn ihr dort hingeht, das macht die Sache einfacher.
Und wenn ihr euch aus welchen Gründen auch immer nicht impfen lassen wollen, bin ich nicht hier, um euch etwas anderes zu sagen. Es gibt eine ganze Debatte über eine indirekte Impfpflicht, die ich nicht unterstütze. Ich finde, jeder sollte selbst entscheiden können, was er tun will. Allerdings sollten auch nicht geimpfte Menschen akzeptieren, dass sie sich testen lassen müssen, um an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen zu können, oder vielleicht einen zusätzlichen Schritt machen müssen, um überhaupt irgendwo hinzugehen. Es sollte keine so große Hürde sein, jemanden dazu zu drängen, sich impfen zu lassen, aber es kann nicht sein, dass sie genau das gleiche Recht haben wie geimpfte Menschen, denn das wäre aus Sicherheitsgründen einfach nicht sinnvoll, oder?
Dieser Beitrag soll keine Werbung sein, ich wollte euch nur erzählen, wie es mir ergangen ist und vielleicht ein paar Fragen beantworten, die einige von euch haben könnten. Ich hoffe, ihr bleibt alle sicher und gesund.

Liebe Grüße
The Mad Hattress